Rudy Rucker
Rudy Rucker und sein Verlag Tor vermarkteten „Saucer Wisdom“ augenzwinkernd als Sachbuch, obwohl es ein Roman ist, in dem die Hauptfigur von Außerirdischen entführt wird. Das Buch gehört zum Transrealismus, den Rucker als eigene Alternative zum Cyberpunk entwickelte und 1983 im Essay „The Transrealist Manifesto“ umriss: Science-Fiction aus dem eigenen Leben und der unmittelbaren Wahrnehmung des Autors, gemischt mit fantastischen Elementen, die für seelische Veränderung stehen. Rudolf von Bitter Rucker wurde am 22. März 1946 in Louisville, Kentucky, geboren und wuchs dort auf. Er schloss 1967 am Swarthmore College mit dem Bachelor in Mathematik ab und wurde 1973 an der Rutgers University promoviert. Von 1972 bis 1978 lehrte er Mathematik an der State University of New York in Geneseo, veröffentlichte dort „Geometry, Relativity and the Fourth Dimension“ (1977) und bekam keine Dauerstelle. Mit einem Stipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung unterrichtete er von 1978 bis 1980 an der Universität Heidelberg. Dort entstanden „Software“ und „White Light“ (1980), auf Deutsch „Weißes Licht“, sein erster transrealistischer Roman, der auf seinen Erfahrungen in Geneseo beruht und den Begriff der Unendlichkeit untersucht. Nach zwei Jahren an einem College in Lynchburg, Virginia, lebte er vier Jahre als freier Autor. „Software“ und „Wetware“, die ersten Bände der Ware-Tetralogie, gewannen beide den Philip K. Dick Award; die Reihe erklärt zum Teil, wie sich Software durch natürliche Selektion entwickeln lässt. Angeregt durch ein Interview mit Stephen Wolfram wurde er 1986 Professor für Informatik an der San José State University, wo er bis 2004 lehrte. Von 1988 bis 1992 programmierte er für John Walker bei Autodesk zelluläre Automaten, was ihn zu „The Hacker and the Ants“ (1994) anregte. Zu seinen transrealistischen Romanen gehören auch „The Hollow Earth“ (1990), auf Deutsch „Hohlwelt“, „Spaceland“ (2002) und „Mathematicians in Love“ (2006). Sein Sachbuch „Infinity and the Mind“ von 1982, auf Deutsch „Die Ufer der Unendlichkeit“, gab Princeton University Press 1995, 2005 und 2019 neu heraus. Die literarische Beschäftigung mit Pieter Bruegel brachte ihn 1999 selbst zur Malerei; 2002 erschien „As Above, So Below: A Novel of Peter Bruegel“, 2013 mit „Better Worlds“ ein Band seiner Gemälde. 2011 veröffentlichte er die Autobiografie „Nested Scrolls“, bis 2014 gab er das Webzine Flurb heraus. Zuletzt erschienen die Romane „Juicy Ghosts“ (2021) und „Sqinks“ (2025).