Stanislaw Lem

Stanisław Lem studierte Medizin und wurde Science-Fiction-Autor, auch weil die Zensur einen frühen Roman jahrelang zurückhielt. "Szpital Przemienienia" ("Das Hospital der Verklärung"), die teils autobiografische Geschichte eines jungen Arztes in einer Anstalt, deren Kranke die SS erschießt, war 1948 fertig und erschien erst Jahre später. Geboren 1921 im damals polnischen Lwów als Sohn eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes, begann er dort 1940 das Medizinstudium. Die deutsche Besatzung überlebte er mit falschen Papieren; er arbeitete als Mechaniker und Schweißer und gab heimlich Munition an den polnischen Widerstand weiter. 1945 zog die Familie nach Krakau, wo er an der Jagiellonen-Universität weiterstudierte, das Abschlussexamen aber absichtlich nicht ablegte, um nicht lebenslang Militärarzt zu werden. Als erstes Buch erschien 1951 "Astronauci" ("Der Planet des Todes"). Nach dem Polnischen Oktober 1956 schrieb Lem in zwölf Jahren siebzehn Bücher, darunter die "Sterntagebücher" (1957) um den Raumfahrer Ijon Tichy, "Solaris" (1961), die "Kyberiade" (1965) und das Sachbuch "Summa technologiae" (1964), in dem er über virtuelle Realität und Nanotechnologie nachdachte, als beide noch Science-Fiction waren. Die Erzählung "Die siebente Sally" aus der "Kyberiade" nannte der Spieledesigner Will Wright als Anregung für SimCity. In "Solaris" scheitert die Verständigung mit einem lebenden Ozean; die Unmöglichkeit, das ganz Fremde zu verstehen, zieht sich durch Lems Werk. Deutsch erschien der Roman 1972, verfilmt wurde er dreimal, von Boris Nirenburg, Andrei Tarkowski und 2002 von Steven Soderbergh. Von den beiden letzten hielt Lem wenig, weil sie das philosophische Problem einem Beziehungsdrama opferten; zufrieden zeigte er sich mit Andrzej Wajdas Fernsehfilm "Przekładaniec" (1968). Die SFWA ernannte ihn 1973 zum Ehrenmitglied und entzog ihm den Titel wieder, formal, weil er inzwischen als ordentliches Mitglied in Frage kam; manche verstanden es als Antwort auf seine Kritik an der amerikanischen Science-Fiction, und Ursula K. Le Guin trat aus Protest aus. Nach der Verhängung des Kriegsrechts 1982 ging Lem an das Wissenschaftskolleg zu Berlin, danach nach Wien, und schrieb in diesen Jahren "Fiasko" (1986), seinen letzten Science-Fiction-Roman. 1988 kehrte er nach Polen zurück und schrieb vor allem Essays. Theodore Sturgeon nannte ihn 1976 den meistgelesenen Science-Fiction-Autor der Welt; seine Bücher wurden über 45 Millionen Mal verkauft. Lem starb am 27. März 2006 in Krakau, und der polnische Sejm erklärte 2021 zum Stanisław-Lem-Jahr.

Geboren
12. September 1921
Gestorben
27. März 2006
Nationalität
Polen

Bücher