Stephen Gilbert

Eine Zeit lang hielt man Stephen Gilbert für ein Pseudonym von Gilbert Ralston, der das Drehbuch zu "Willard" schrieb und wie er 1912 geboren war. "Ratman's Notebooks" (1968, deutsch "Aufstand der Ratten"), das letzte zu seinen Lebzeiten erschienene Buch, verkaufte sich über eine Million Mal und kam in den USA zweimal als "Willard" ins Kino, 1971 und 2003. Geboren wurde Gilbert am 22. Juli 1912 in Newcastle im County Down; er wuchs im Osten Belfasts auf. Mit dreizehn kam er an die Loretto School in Musselburgh in Schottland, die er ohne Abschlusszeugnis verließ. Dort stellte er für die Verwandten daheim The Broadcaster zusammen, ein handgeschriebenes Heft mit Geschichten, Nachrichten und Essays. In Belfast arbeitete er kurz als Gerichtsreporter für den Northern Whig und ab Mitte der 1930er Jahre ganz in der Tee- und Saatguthandlung seines Vaters. 1931 lernte er den Romancier Forrest Reid kennen, der sein Mentor wurde. Die stürmische Beziehung dauerte bis zu Reids Tod 1947; Reid zeichnete im Roman "Brian Westby" ein idealisiertes Bild der beiden, und Gilberts "The Burnaby Experiments" (1952) wurde als verspätete Antwort darauf gelesen. Reid war auch sein erster Roman gewidmet, "The Landslide" (1943), eine Fantasy, in der ein Erdrutsch in Irland Urzeitliches freilegt; E. M. Forster besprach ihn wohlwollend in der BBC und zählte Gilbert wegen seiner frühen Romane zu den Schriftstellern von Rang. Im Krieg kam er als Freiwilliger mit dem 3rd (Ulster) Searchlight Regiment nach Frankreich, erlebte die Evakuierung von Dünkirchen und erhielt die Military Medal, weil er vor dem vorrückenden Feind eine Brücke in Brand setzte. Diese Erfahrungen verarbeitete sein zweiter Roman, "Bombardier" (1944), ein mäßiger Verkaufserfolg. Spätestens 1960 hatte er das Gefühl, als Schriftsteller vielleicht am Ende zu sein; er gründete den nordirischen Zweig der Campaign for Nuclear Disarmament und wurde dessen Sekretär. Die Möglichkeit, dass missbrauchte Wissenschaft Kunst und Zivilisation zerreißt, lässt sich als verbindendes Motiv einiger seiner phantastischeren Wendungen lesen. 1968 kam der unerwartete Erfolg mit "Ratman's Notebooks"; auf die erste Verfilmung folgte 1972 die Fortsetzung "Ben" mit einem Titelsong des jungen Michael Jackson. Gilbert starb am 23. Juni 2010 mit 97 Jahren. 2012 begann der amerikanische Verlag Valancourt Books, seine Romane neu aufzulegen, und 2015 erschien dort der unvollendete Roman "The Bloody City". Er erzählt das erste Jahr der Unruhen in Nordirland, und sein Held versucht wie Gilbert, mit dem Vater im Familienbetrieb zu arbeiten.

Geboren
22. Juli 1912
Nationalität
Irland

Bücher