Suzy McKee Charnas
Feministische Literatur wollte Suzy McKee Charnas nicht schreiben. „Walk to the End of the World“ war zunächst als politische Satire gedacht; erst nach dem ersten Entwurf nahm das Buch eine feministische Richtung. Als großen Anstoß für den Beginn ihres Schreibens sah sie Ursula K. Le Guins „The Left Hand of Darkness“, einen der ersten feministischen Romane, die ihr begegnet waren; den Western-, Abenteuer- und Science-Fiction-Büchern ihrer frühen Lektüre hatten starke Frauenfiguren gefehlt. Charnas wurde 1939 in New York geboren und besuchte dort die High School of Music and Art. Sie studierte am Barnard College Wirtschaft und Geschichte, machte an der New York University einen Master in Pädagogik und unterrichtete zwei Jahre mit dem Peace Corps in Nigeria, später einige Jahre an der New Lincoln School in New York. Geschichte, Wirtschaft und die Jahre in Nigeria prägten ein Werk, das sich nicht allein der technischen, sondern der soziologischen und anthropologischen Seite der Science-Fiction widmet. „Walk to the End of the World“ erschien 1974 bei Ballantine, 1983 bei Knaur als „Tochter der Apokalypse“: In Holdfast, einer nach einer Katastrophe entstandenen Gemeinschaft, herrschen Männer über versklavte Frauen, denen die Schuld am Zusammenbruch gegeben wird. Den zweiten Band lehnte Ballantine nach Charnas' Darstellung ab; nach einem Jahr nahm ihn der Lektor David G. Hartwell an, der danach weitere ihrer Bücher herausbrachte. „Motherlines“ erschien 1978 bei Berkley, 1984 bei Knaur als „Alldera und die Amazonen“; die Heldin entkommt darin der Knechtschaft und findet eine Kultur geklonter Frauen, die frei mit ihren Pferden leben. Mit „The Furies“ (1994) und „The Conqueror's Child“ (1999) bei Tor schloss sie die Reihe nach fast dreißig Jahren ab; für den letzten Band erhielt sie 1999 den James Tiptree, Jr. Award, den ersten beiden wurde er nachträglich zuerkannt. „The Vampire Tapestry“ (1980), 1984 bei Knaur als „Der Vampir-Baldachin“, nahm David Pringle 1988 in „Modern Fantasy: The Hundred Best Novels“ auf, Guillermo del Toro nannte das Buch 2015 makellos; Charnas machte daraus das Theaterstück „Vampire Dreams“ (2001). Den Nebula Award gewann ihre Vampirnovelle „Unicorn Tapestry“, den Hugo Award 1990 die feministische Werwolfgeschichte „Boobs“. Von 1984 bis 2004 unterrichtete sie mehrfach beim Clarion Writers Workshop; 2004 erschien bei Tachyon die Sammlung „Stagestruck Vampires and Other Phantasms“.