Tade Thompson
"Die Arbeit im Krankenhaus ist eine Berufung. Ich helfe Menschen." Das sagte Tade Thompson im Juli 2020 dem Guardian, als er erklärte, er könne sich nicht vorstellen, die Medizin aufzugeben. Neben dem Schreiben arbeitet er in Vollzeit als Psychiater am St James' Hospital in Portsmouth, spezialisiert auf psychische Erkrankungen bei Menschen mit körperlichen Beschwerden. Geboren wurde er in London als Sohn yorubischer Eltern. 1976, mit sieben Jahren, zog er mit seiner Familie nach Nigeria, wuchs dort auf und studierte Medizin und Sozialanthropologie, danach spezialisierte er sich auf Psychiatrie. 1998 kehrte er nach Großbritannien zurück und ist seither geblieben, abgesehen von einem Jahr als Arzt auf Samoa. Er ist auch Illustrator und Künstler; von ihm stammt etwa das Titelbild der vierten Ausgabe des Omenana Magazine. Sein erster Roman, "Making Wolf" (2015), deutsch "Wild Card", ist ein Krimi in einem erfundenen westafrikanischen Staat, in dem die Hauptfigur Weston Kogi den Mord an einem Politiker aufklären soll, und handelt von sexistischer Gewalt und Korruption. 2016 bekam er dafür den Golden Tentacle der Kitschies für einen Debütroman. 2016 erschien "Rosewater", der erste Band der Wormwood-Trilogie. Sie spielt in den 2050er und 2060er Jahren in der erfundenen nigerianischen Stadt Rosewater, die um eine von Außerirdischen erzeugte Biokuppel entstanden ist, und verbindet Thriller und Erstkontakt. "Rosewater" gewann den Nommo Award und 2019 den Arthur C. Clarke Award, die Trilogie war 2020 für den Hugo Award nominiert. Viele seiner Geschichten mischen die Genres, Science-Fiction mit Horror, Thriller und Krimi, und er gilt als Vertreter des Afrofuturismus. Von 2017 bis 2022 erschienen die Novellen um Molly Southbourne; die erste, "The Murders of Molly Southbourne", gewann den Nommo Award und den Grand Prix de l'Imaginaire. "Far from the Light of Heaven" (2021) ist ein Science-Fiction-Krimi, angeregt vom Rätsel im verschlossenen Raum, wie es Edgar Allan Poe in "Der Doppelmord in der Rue Morgue" entwickelte: Auf dem von einer KI gesteuerten Raumschiff Ragtime erwacht Michelle Campion aus dem künstlichen Schlaf und stellt fest, dass viele Mitreisende ihn nicht überlebt haben. 2015 gehörte er zu den Initiatoren der African Speculative Fiction Society, 2023 wurde er zum Fellow der Royal Society of Literature gewählt, und 2024 steuerte er "Wherefore, Nuncle?" zu einem Band zum hundertsten Geburtstag von James Baldwin bei.