Thomas Pynchon

Als Thomas Pynchon 1974 für „Gravity’s Rainbow“ (1973, deutsch „Die Enden der Parabel“) den National Book Award erhielt, nahm an seiner Stelle der Komiker Irwin Corey den Preis entgegen. Viele Gäste hatten den Autor nie gesehen und hielten den Mann mit dem wirren Pseudovortrag auf der Bühne für Pynchon. Den Preis teilte er mit Isaac Bashevis Singer. Die Jury des Pulitzer-Preises empfahl den Roman im selben Jahr einstimmig, der Vorstand lehnte ab, und der Preis für Belletristik wurde nicht vergeben. Pynchon wurde am 8. Mai 1937 in Glen Cove auf Long Island geboren. An der Cornell University begann er mit Physik, diente zwei Jahre in der US Navy, 1956 auf einem Zerstörer im Mittelmeer während der Suezkrise, und studierte danach Englisch. Er hörte Vorlesungen bei Vladimir Nabokov, der sich später nicht an ihn erinnerte; Véra Nabokov, die die Arbeiten korrigierte, wusste noch von seiner Handschrift aus Druck- und Schreibschrift. 1959 erschien seine erste Erzählung, „The Small Rain“. Von 1960 bis 1962 war er technischer Redakteur bei Boeing in Seattle und schrieb Sicherheitsartikel für ein Mitteilungsblatt zur Flugabwehrrakete BOMARC. Die Erfahrung ging in den Konzern Yoyodyne seiner ersten beiden Romane ein. „V.“ (1963) erhielt den Preis der William Faulkner Foundation für ein Romandebüt und kam in die Endauswahl des National Book Award; „The Crying of Lot 49“ (1966, deutsch „Die Versteigerung von No. 49“) nannte er, als das Manuskript auf 155 Seiten angewachsen war, eine Kurzgeschichte mit Drüsenproblemen. 1988 erhielt Pynchon ein MacArthur-Stipendium. Nach „Vineland“ (1990) und „Mason & Dixon“ (1997) erschien 2006 „Against the Day“ (deutsch „Gegen den Tag“), 1085 Seiten stark in der Erstausgabe. Der Roman reicht von der Weltausstellung in Chicago 1893 bis in die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, Nikola Tesla und Groucho Marx haben kurze Auftritte; die Inhaltsangabe auf dem Umschlag ging auf einen Text von Pynchon selbst zurück. Fotos von ihm gibt es kaum. Einsiedler sei ein Codewort von Journalisten für jemanden, der nicht gern mit Reportern rede, sagte er 1997 dem Sender CNN. 2004 sprach er in zwei Folgen der Simpsons sich selbst, als Zeichentrickfigur mit einer Papiertüte über dem Kopf. „Inherent Vice“ (2009, deutsch „Natürliche Mängel“) verfilmte Paul Thomas Anderson 2014. 2025 erschien „Shadow Ticket“ (deutsch „Schattennummer“): Ein Privatdetektiv aus Milwaukee gerät 1932 auf der Suche nach der Erbin eines Käsevermögens aus Wisconsin nach Ungarn.

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