Ursula K. Le Guin
"Ich war mit Tolstoi und dergleichen beschäftigt", sagte Ursula K. Le Guin später über die Jahre, in denen sie keine Science-Fiction las. Als Kind hatte sie welche gelesen, dann ließ sie es; was die Magazine boten, waren Raumschiffkapitäne mit kantigen Gesichtern und seltsamen Waffen. Um 1960 legte ihr ein Freund eine Erzählung von Cordwainer Smith vor, und sie sah, dass es auch anders ging. Geschrieben hatte sie da längst. Mit acht entstand ihre erste Geschichte über einen Mann, den böswillige Elfen verfolgen; mit elf schickte sie eine Zeitreisegeschichte an Amazing Stories, die abgelehnt wurde. Ursula Kroeber kam am 21. Oktober 1929 in Berkeley zur Welt, als Tochter des Anthropologen Alfred Louis Kroeber und der Schriftstellerin und Anthropologin Theodora Kroeber, die mit Ishi in Two Worlds das Leben des letzten überlebenden Yahi schrieb. Sie wuchs nahe dem Universitätsgelände auf, in einem Haus voller Bücher. Nach der Schule ging sie an die Ostküste, machte 1951 am Radcliffe College den Bachelor und 1952 an der Columbia University den Master mit einer Arbeit über Pierre de Ronsard. Die Welt der Renaissance, mit der sie sich dafür befasste, steht später hinter ihren Geschichten aus Orsinien. 1953 lernte sie während eines Fulbright-Aufenthalts in Frankreich den Historiker Charles A. Le Guin kennen; im Dezember desselben Jahres heirateten sie. Sie unterrichtete Französisch in Georgia und Idaho, 1958 ließ sich die Familie in Portland nieder, wo Le Guin bis zu ihrem Tod lebte. 1962 erschien in Fantastic Stories of Imagination ihre Erzählung April in Paris, 1966 ihr erster Roman. Die Jahre bis 1974 brachten das meiste, wofür sie bekannt ist. Für Die linke Hand der Dunkelheit bekam sie den Hugo und den Nebula Award und war damit die erste Frau, die beide Preise für einen Roman gewann; Planet der Habenichtse, eine anarchistische Utopie, gewann ebenfalls beide. Ihre Bücher spielen in vier Welten: dem Hainish-Kosmos, der Welt von Erdsee, dem erfundenen mitteleuropäischen Land Orsinien und einer nahen Zukunft der amerikanischen Westküste. Genrezuordnungen hielt sie für nützlich, solange sie nicht über die Qualität eines Buches urteilen sollten. Daneben schrieb sie Kinderbücher, Gedichte, Essays und Kritiken, übersetzte Laozis Daodejing und unterrichtete Jahre lang kreatives Schreiben an der Portland State University. 2003 ernannten die Science Fiction and Fantasy Writers of America sie zum Grand Master, 2014 erhielt sie die Medal for Distinguished Contribution to American Letters der National Book Foundation. Sie starb am 22. Januar 2018 in Portland.
- Geboren
- 21. Oktober 1929
- Gestorben
- 22. Januar 2018
- Nationalität
- Vereinigte Staaten