Wolfgang Jeschke
Wolfgang Jeschke lernte Werkzeugmacher und arbeitete im Maschinenbau, bevor er 1959 das Abitur nachholte. Danach studierte er in München Germanistik, Anglistik und Philosophie, machte ein Praktikum in der C. H. Beck'schen Verlagsbuchhandlung und kam 1969 als Redaktionsassistent zu Kindlers Literatur Lexikon. Dass daraus drei Jahrzehnte als Lektor und Herausgeber wurden, begann mit einem Urteil, um das man ihn bat. Geboren wurde er am 19. November 1936 im böhmischen Tetschen und wuchs nach 1945 in Asperg bei Ludwigsburg auf. Mit Science-Fiction beschäftigte er sich seit den fünfziger Jahren, er gehörte zu den ersten Mitgliedern des 1955 gegründeten Science Fiction Club Deutschland und gab mit Peter Noga das Fanzine "Ad astra" heraus. 1970 bot Herbert W. Franke dem Verlag einen Roman an, und weil man im Haus wusste, dass Jeschke sich auskannte, bat man ihn um sein Urteil. Daraus wurde die Reihe "Science Fiction für Kenner" im Lichtenberg Verlag, in der neben Frankes "Zone Null" auch Jeschkes eigene Erzählsammlung "Der Zeiter" erschien; in ihr wurden Bücher von Robert Silverberg, Thomas M. Disch und Brian W. Aldiss erstmals vollständig auf Deutsch zugänglich, statt auf Heftformat gestutzt. Ende 1972 wurde bei Heyne die Stelle des Science-Fiction-Lektors frei; Jeschke übernahm sie, zunächst als freier Mitarbeiter neben Franke, ab 1979 allein und bis 2002. In diesen drei Jahrzehnten trug Jeschke maßgeblich dazu bei, dass wichtige Texte der Gattung in Deutschland ungekürzt in deutscher Übersetzung erschienen. Über hundert Anthologien gab er heraus, dazu das Jahrbuch "Das Science Fiction Jahr", zuletzt gemeinsam mit Sascha Mamczak. Norman Spinrads "Der stählerne Traum" betreute er auch durch den Rechtsstreit um dessen Indizierung. Zum eigenen Schreiben blieb daneben wenig Zeit, und so ist sein Werk schmal geblieben; es kreist um Zeitreisen in allen Spielarten und verlässt dabei die gewohnten Formen: "Dokumente über den Zustand des Landes vor der Verheerung" montiert erfundene Aktenstücke, "Die cusanische Acceleratio" ist eine Liste erfundener Ereignisse. "Der letzte Tag der Schöpfung" von 1981, sein erster Roman, erzählt vom Versuch, die Geschichte zu korrigieren, und von dessen Scheitern. Vier seiner Romane trugen ihm den Kurd-Laßwitz-Preis ein, "Das Cusanus-Spiel" und "Dschiheads" zusätzlich den Deutschen Science-Fiction-Preis. Jeschke starb am 10. Juni 2015 in München. "Das Science-Fiction-Jahr 2015", das Jahrbuch, das er selbst begründet hatte, druckte fünfunddreißig Nachrufe auf ihn, geschrieben unter anderen von Brian W. Aldiss, Andreas Eschbach, Herbert W. Franke, Christopher Priest, Robert Silverberg und Norman Spinrad.
- Geboren
- 19. November 1936
- Gestorben
- 10. Juni 2015
- Nationalität
- Deutschland