Beggars in Spain
In naher Zukunft lässt der Finanzier Roger Camden seine noch ungeborene Tochter Leisha genetisch so verändern, dass sie zu einer Schlaflosen wird: einem Menschen ohne Schlafbedürfnis, mit gesteigerter Intelligenz und längerer Lebenserwartung. Während die ersten Schlaflosen heranwachsen, werden sie zunächst belächelt, dann zunehmend beneidet und schließlich offen gehasst. Leisha und andere Schlaflose wie Richard Keller geraten ins Visier von Diskriminierung und Gewalt, während sie versuchen, ihren Platz in einer Gesellschaft zu finden, die sie fürchtet. Tony Indivino vertritt radikale Ideen, die reiche Schlaflose wie Jennifer Sharifi aufgreifen, als sie mit der Enklave Sanctuary einen eigenen Rückzugsort gründen, während Leishas nicht-schlaflose Zwillingsschwester Alice in der Welt der Normalen bleibt. Der Roman spiegelt in den Schlaflosen reale Erfahrungen gesellschaftlicher Minderheiten wie jüdischer und afroamerikanischer Gemeinschaften und nutzt diese Parallele, um Mechanismen der Diskriminierung und Ausgrenzung zu untersuchen. Die Frage, ob eine bevorzugte Minderheit eher Solidarität mit der Mehrheit sucht oder sich von ihr abschottet, zieht sich als Gedanke durch den Text, ohne sich leicht auflösen zu lassen. Empfehlung: Die Erzählung gewann 1991 als Novelle sowohl den Hugo als auch den Nebula Award, der daraus erweiterte Roman von 1993 wurde für beide Preise nominiert, ohne sie zu gewinnen. Wer sich für Minderheiten-Perspektiven in der Science-Fiction interessiert, etwa bei Octavia Butler oder N.K. Jemisin, findet hier den Auftakt des dreiteiligen Bettler-Zyklus; die deutsche Erstausgabe des Romans erschien 1997 bei Heyne.
- Erschienen
- 1993
- Seiten
- 448
- ISBN
- 9780380718771
- Sprache
- en