Jeanette Winterson

Im Haus in Accrington, in dem Jeanette Winterson aufwuchs, gab es sechs Bücher. 1959 in Manchester geboren, kam sie im Januar 1960 zu einem pfingstlerischen Ehepaar, das sie adoptierte und zur Missionarin erziehen wollte. Lesen lernte sie am Buch Deuteronomium, und der Bibel schrieb sie später ihre Liebe zum Erzählen zu. Weltliches las sie heimlich; wie man schreibt, lernte sie in der öffentlichen Bibliothek von Accrington, wo sie die englische Prosa von A bis Z las. Während der Oberstufe verdiente sie Geld als Fahrerin eines Eiswagens, in einem Bestattungsinstitut und in einer psychiatrischen Klinik; von 1978 bis 1981 studierte sie englische Literatur am St Catherine’s College in Oxford. In London bewarb sie sich als Redaktionsassistentin bei Pandora Press, einem feministischen Imprint. Dessen Gründerin Philippa Brewster brachte 1985 Wintersons ersten Roman heraus: „Oranges Are Not the Only Fruit“ (deutsch „Orangen sind nicht die einzige Frucht“), die halb autobiografische Geschichte eines Mädchens in einer Pfingstgemeinde. Geschrieben hatte sie ihn von Hand, meist im Lesesaal des British Museum. Er gewann den Whitbread Prize für ein Erstlingswerk. „The Passion“ (1987, deutsch „Verlangen“), ein Roman aus dem Europa Napoleons, erhielt den John Llewellyn Rhys Prize, „Sexing the Cherry“ (1989, deutsch „Das Geschlecht der Kirsche“) den E. M. Forster Award. Die dreiteilige Verfilmung ihres Debüts, für die sie selbst das Drehbuch schrieb, lief 1990 bei der BBC und gewann den BAFTA als bestes Drama. Die Heldin hieß darin Jess statt Jeanette, weil Winterson nicht wollte, dass man die Serie für reine Tatsachen über sie hielt. „The Stone Gods“ (2007, deutsch „Die steinernen Götter“) ist ein Science-Fiction-Roman, dessen vier Teile jeweils mit einem Tod enden. „Frankissstein“ (2019, deutsch „Frankissstein. Eine Liebesgeschichte“) beginnt bei Mary Shelley, die „Frankenstein“ schreibt, springt in die Gegenwart und verhandelt Transhumanismus und künstliche Intelligenz; der Roman stand auf der Longlist des Booker Prize. Ihrer Kindheit ging sie in dem autobiografischen Buch „Why Be Happy When You Could Be Normal?“ (deutsch „Warum glücklich statt einfach nur normal?“) nach, das danach 25 Jahre überspringt. 2006 wurde sie Officer des Order of the British Empire, 2012 folgte sie Colm Tóibín als Professorin für Kreatives Schreiben an der University of Manchester, 2018 wurde sie Commander. 2023 erschienen die dreizehn Geistergeschichten „Night Side of the River“, 2025 „One Aladdin Two Lamps“.

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