Es stirbt in mir

Sein Geld verdient David Selig, 41, mit Hausarbeiten für Studenten der Columbia University; er lebt allein in New York, knapp bei Kasse und ohne feste Stelle. Bei dieser Arbeit hilft ihm, was er seit Kindertagen kann: Er hört, was andere denken. Doch die Gabe beginnt zu versiegen, und immer öfter bleibt ihm von anderen nur, was sie laut aussprechen. Der Roman wechselt zwischen dieser Gegenwart und Seligs früheren Jahren. Schon als Kind hört er, was die Menschen in seiner Nähe denken, und geht oft auf Gedanken ein, die niemand ausgesprochen hat; ein Psychologe, dem ihn die Eltern vorstellen, kann sich das seltsame Verhalten nicht erklären. Weil keiner versteht, was mit ihm vorgeht, gewöhnt sich Selig an, unauffällig zu wirken und für sich zu behalten, was er über andere weiß. Mit Judith, die die Eltern später adoptieren, liegt er bis ins Erwachsenenalter über Kreuz, weil sie hinter seinem Wissen eine ungewöhnliche Kraft vermutet und ihm das übelnimmt. Die Telepathie dient hier nicht dem Abenteuer, sie ist ein Bild: Ihr Schwinden steht für den Verlust der schöpferischen Freude, und der Roman zeigt einen einsamen, älter werdenden Mann, der zusehends auf den gewöhnlichen Weg zu anderen Menschen angewiesen ist. Empfehlung: Science-Fiction als Figurenstudie, mit wenig äußerer Handlung und viel Innenleben; zeitgenössische Kritiker hielten dem Buch zu viel Innenschau und seine Sexszenen vor, andere lobten Prosa und Figurenzeichnung. „Dying Inside“ (1972) stand auf den Listen für Nebula und Hugo und gehört zu Silverbergs Hinwendung zu einer literarischen, psychologisch ausgerichteten Science-Fiction Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre. Auf Deutsch erschien er 1975 bei Heyne als „Es stirbt in mir“, übersetzt von Gisela Stege.

Published
1972
Pages
267
Language
de

Authors

Series

In the Heyne - Masterpieces of Science Fiction series

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