Future History
Einleitung Die "Future History" von Robert A. Heinlein ist eine der ambitioniertesten und einflussreichsten Science-Fiction-Serien des 20. Jahrhunderts, die eine zusammenhängende Zukunftsvision der Menschheit vom mittleren 20. Jahrhundert bis zum frühen 23. Jahrhundert entwirft. Der amerikanische Science-Fiction-Anthologist Groff Conklin beschrieb die Future History-Serie als „eine der größten aller Geschichten von morgen". Diese wegweisende Sammlung verbindet technologische Spekulation mit tiefgreifenden gesellschaftlichen und philosophischen Fragen und etablierte neue Standards für das Genre der "Hard Science Fiction". Hintergrundinformationen Robert Anson Heinlein (7. Juli 1907, Butler, Missouri – 8. Mai 1988, Carmel, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Science-Fiction-Autor, Luftfahrtingenieur und Marineoffizier. Oft als „Dean der Science-Fiction-Autoren" bezeichnet, war er einer der ersten, der wissenschaftliche Genauigkeit in seine Fiktion einbrachte und damit ein Pionier des Subgenres Hard Science Fiction wurde. Nach seiner medizinischen Entlassung aus der Marine 1934 aufgrund von Tuberkulose begann Heinlein 1939 seine Schriftstellerlaufbahn mit der Erzählung "Life-Line". Heinlein schrieb die meisten Future History-Geschichten früh in seiner Laufbahn, zwischen 1939 und 1941 sowie zwischen 1945 und 1950. Der Begriff "Future History" wurde von John W. Campbell Jr. in der Februar-Ausgabe 1941 des Astounding Science Fiction geprägt, der auch eine frühe Version von Heinleins Zeittafel der Serie in der Mai-Ausgabe 1941 veröffentlichte. Die meisten vor 1967 geschriebenen Future History-Geschichten sind in "The Past Through Tomorrow" (1967) gesammelt, das auch die finale Version der Zeittafel enthält. Die Serie umfasst primär Kurzgeschichten und Novellen, die später in mehreren Sammlungen veröffentlicht wurden, darunter "The Man Who Sold the Moon" (1950), "The Green Hills of Earth" (1951), "Revolt in 2100" (1953) und die umfassende Sammlung "The Past Through Tomorrow" (1967). Wissenschaftler sind sich uneinig darüber, welche Werke exakt zur Future History gehören, da einige Geschichten nur schwach verknüpft sind. Handlung und Charaktere Die Future History beschreibt eine projizierte Zukunft der Menschheit vom mittleren 20. Jahrhundert bis zum frühen 23. Jahrhundert. Die Serie zeichnet den Aufstieg der Raumfahrt, die Kolonisierung des Sonnensystems und die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft nach. Zentrale Themen sind individueller Freiheitsdrang, technologischer Fortschritt, gesellschaftliche Evolution und die Herausforderungen einer expandierenden Zivilisation. Ein wiederkehrender Charakter ist Lazarus Long, ein genetisch langlebiger Mensch, der über Jahrhunderte hinweg die menschliche Geschichte miterlebt. Ein wichtiger, aber nie vollständig ausgearbeiteter Handlungsstrang betrifft die Herrschaft des Propheten Nehemiah Scudder, eine religiöse Diktatur in den USA, die Heinlein als Kombination aus John Calvin, Girolamo Savonarola, Joseph Franklin Rutherford und Huey Long beschrieb. Diese Zeit war integral für die spätere menschliche Diaspora, doch Heinlein schrieb diese Geschichten nie aus, da er die Figur Scudder zu sehr verabscheute. Die Geschichten erkunden Themen wie die Bedeutung individueller Freiheit und Selbstständigkeit, die Rolle der Technologie in der Gesellschaft sowie provokative soziale und politische Ideen. Heinleins Charaktere sind oft kompetente Individualisten, die sich konventionellen gesellschaftlichen Normen widersetzen. Bedeutung und Rezeption Über seine Laufbahn hinweg erhielt Heinlein zahlreiche Auszeichnungen für seine Beiträge zur Science-Fiction, darunter vier Hugo Awards für den besten Roman für "Double Star" (1956), "Starship Troopers" (1960), "Stranger in a Strange Land" (1962) und "The Moon is a Harsh Mistress" (1967). 1975 erhielt er als erster den Grand Master Award der Science Fiction Writers of America (SFWA) in Anerkennung seiner Lebensleistungen und seines Einflusses auf das Genre. 1966 wurde die Future History-Serie für den Hugo Award in der Kategorie "Best All-Time Series" nominiert, zusammen mit J.R.R. Tolkiens "Der Herr der Ringe" und Isaac Asimovs "Foundation"-Serie, unterlag jedoch letzterer. In einer Umfrage führender Science-Fiction-Autoren von 1953 wurde Heinlein häufiger als Einfluss genannt als jeder andere moderne Autor. Die Serie hatte enormen Einfluss auf die Entwicklung der Science-Fiction und inspirierte Generationen von Autoren und Wissenschaftlern. Viele der Astronauten und anderen im US-Raumfahrtprogramm Tätigen wuchsen mit Heinleins Jugendromanen auf, was sich in der Benennung eines Marskraters nach ihm und einer Hommage der Apollo 15-Astronauten während ihrer Mondmission zeigt. Die Serie führte innovative Konzepte wie Generationenschiffe, Weltraumkolonien und gesellschaftliche Spekulationen ein, die heute als Standardelemente des Genres gelten. Empfehlung Die Future History-Serie eignet sich besonders für Leser, die sich für klassische Science-Fiction mit wissenschaftlichem Anspruch interessieren, sowie für solche, die kohärente Zukunftsvisionen und gesellschaftspolitische Spekulationen schätzen. Besonders empfehlenswert ist die Serie für Fans von Hard Science Fiction, die Wert auf technische Plausibilität legen, sowie für Leser, die sich für die historische Entwicklung des Science-Fiction-Genres interessieren. Aufgrund der zeitweise konservativen politischen Ansichten Heinleins und der gesellschaftlichen Normen der Entstehungszeit sollten moderne Leser die Serie in ihrem historischen Kontext betrachten. Die technischen Visionen und erzählerische Innovationen machen die Future History dennoch zu einem unverzichtbaren Werk für jeden ernsthaften Science-Fiction-Enthusiasten und bieten faszinierende Einblicke in die Gedankenwelt eines der einflussreichsten Autoren des Genres.
- Bände
- 7