Connie Willis
"Ich singe Sopran in einem Kirchenchor", sagte Connie Willis 1996 in einem Interview, "und ich bin überzeugt, dass man alles, was man über die Welt wissen muss, in einem Kirchenchor lernen kann." Viel von ihrem Werk erkundet die Sozialwissenschaften, und ihre Hauptfiguren werden typischerweise von lästigen Gegenspielern bedrängt, die zielstrebig unlogische Pläne verfolgen. Constance Elaine Trimmer Willis kam am 31. Dezember 1945 in Denver zur Welt und studierte am Colorado State College. Ihre erste Geschichte, "The Secret of Santa Titicaca", erschien im Winter 1970 in der Zeitschrift Worlds of Fantasy; ab 1978 folgten mindestens sieben weitere, und 1982 erschien ihr erster Roman, "Water Witch", geschrieben zusammen mit Cynthia Felice. Elf Hugo Awards hat Willis gewonnen, dazu Nebula- und Locus Awards; 2009 wurde sie in die Science Fiction Hall of Fame aufgenommen, 2011 ernannten die Science Fiction Writers of America sie zu ihrem achtundzwanzigsten Grand Master. Als ihren größten Einfluss nennt sie Robert A. Heinlein, wegen seines Humors, seines bodenständigen Blicks auf die Zukunft und seiner klug gebauten Handlungen; erkennbar ist daneben P. G. Wodehouse, und ihre Form ist die Sittenkomödie. Bekannt ist vor allem ihre Reihe um Geschichtsstudenten eines künftigen Oxford, die in die Vergangenheit reisen: die Erzählung "Fire Watch" von 1982, die Romane "Doomsday Book" und "To Say Nothing of the Dog", auf Deutsch "Die Jahre des Schwarzen Todes" und "Die Farben der Zeit", und der zweiteilige Roman "Blackout"/"All Clear" von 2010. In "Doomsday Book" will jemand mitten in einer tödlichen Epidemie ein Glockenläuten veranstalten, in "Passage" legt ein Forscher den Befragten bei der Untersuchung von Nahtoderfahrungen die Antworten in den Mund; Verwaltungsleute ohne Rückgrat und Spinner gehören bei Willis so fest zum Personal wie ihre Hauptfiguren. Kennzeichnend ist außerdem die Menge an genau recherchierten Nebensachen, die den Stoff berühren oder ihn spiegeln: Modeerscheinungen in "Bellwether", alte Filme in "Remake", die Titanic in "Passage". Nicht alle ihre Bücher sind eindeutig Science-Fiction. "Bellwether" handelt fast nur von Psychologie, und "Lincoln's Dreams" von 1987, für das sie den John W. Campbell Memorial Award bekam, von der unerwiderten Liebe eines jungen Mannes zu einer Frau, bei der offenbleibt, ob sie Wiedergeburt oder Vorauswissen erlebt. Der Literaturwissenschaftler Gary K. Wolfe hat Willis den Stand-up-Star der Science-Fiction-Conventions genannt und hinzugefügt, sie sei erheblich vielschichtiger und ernster, als ihre Beliebtheit vermuten lasse. Sie lebt in Greeley, Colorado.
- Geboren
- 31. Dezember 1945
- Nationalität
- Vereinigte Staaten