Walter M. Miller jr.
Im Zweiten Weltkrieg nahm Walter M. Miller bei den Army Air Forces an mehr als fünfzig Bombereinsätzen über Italien teil, darunter am Angriff auf die Benediktinerabtei am Monte Cassino. Diese Erfahrung bewog ihn, 1947 zum Katholizismus überzutreten. Miller wurde 1923 in New Smyrna Beach in Florida geboren, studierte an der University of Tennessee und der University of Texas und arbeitete als Ingenieur. Zwischen 1951 und 1957 veröffentlichte er mehr als drei Dutzend Science-Fiction-Erzählungen. 1953 schrieb er Drehbücher für die Fernsehserie "Captain Video", 1955 erhielt er für die Erzählung "The Darfsteller" den Hugo Award. Drei zusammenhängende Novellen, die 1955, 1956 und 1957 im Magazine of Fantasy & Science Fiction erschienen waren, fügte er Ende der fünfziger Jahre zu "A Canticle for Leibowitz" (1959, deutsch "Lobgesang auf Leibowitz") zusammen. Die Menschheit ist nach einem Atomkrieg in ein neues Mittelalter gestürzt, die katholische Kirche hütet das alte naturwissenschaftliche Wissen, und ihre Mönche können dessen Relikte nur mystisch deuten. Im Mittelpunkt steht die Heiligsprechung des Saint Leibowitz; am Ende hat die Menschheit in einer neuen Moderne aus ihren Fehlern nichts gelernt und löst die alten Katastrophen erneut aus. Ein solches Interesse an der Religion ist in der Science-Fiction selten, und der Katholik Miller zeichnete ein lebendiges, nicht immer orthodoxes Bild der Kirche. 1961 erhielt das Buch den Hugo Award als bester Roman. Nach diesem Erfolg veröffentlichte Miller nichts Neues mehr, doch Sammlungen seiner früheren Erzählungen erschienen weiter, darunter "Conditionally Human" (1962) und "The View from the Stars" (1965). 1981 produzierten WHA Radio und NPR eine Hörspielfassung des Romans, 1992 sendete die BBC die ersten beiden Teile. Ende der achtziger Jahre begann Miller einen neuen Leibowitz-Roman, und Bantam Books schloss 1989 einen Vertrag über das noch ungeschriebene Buch. Als er 1996 starb, hinterließ er ein fast vollendetes Manuskript von 600 Seiten. Terry Bisson stellte es auf Millers Wunsch fertig, 1997 erschien es als "Saint Leibowitz and the Wild Horse Woman" (deutsch "Ein Hohelied für Leibowitz"). Die beiden Romane der Leibowitz-Reihe liegen fast vierzig Jahre auseinander. Zu Millers Lebzeiten blieb der erste sein einziger.