Ein Mann in einer fremden Welt
Nach dem Dritten Weltkrieg regiert die World Federation of Free Nations über die Erde. Eine zweite Marsexpedition findet einen menschlichen Überlebenden: Valentine Michael Smith, aufgezogen von der Zivilisation der Marsianer. Man bringt ihn ins Bethesda Hospital und hält ihn dort gefangen, bis ihn die Krankenschwester Jill Boardman befreit. Mike, wie er im Roman genannt wird, ist eine Brückenfigur zwischen zwei Kulturen: Er muss menschliche Gesellschaft, Sexualität und Institutionen erst verstehen lernen, während Regierungsstellen ihn kontrollieren und andere ihn ausnutzen wollen. Der Reporter Ben Caxton sowie der Schriftsteller, Arzt und Anwalt Jubal Harshaw nehmen sich seiner an, ebenso die Frauen in Jubals Haushalt. Von den Marsianern bringt Mike Begriffe mit, die er nun auf Menschen überträgt: das Wasserbruder-Verbrüderungsritual und das Groken, das tiefe, ganzheitliche Verstehen einer Sache. Sein Satz „Thou art God“, du bist Gott, zeigt, wie er menschliche Kategorien wie Religion neu denkt. Heinlein verstand den Roman im Rückblick nicht als Sammlung von Antworten. Er wollte die Leserschaft aus eingefahrenen Vorstellungen lösen und zu eigenem, frischem Denken anregen. Entsprechend nutzt der Roman Mikes marsianischen Blick, um gewohnte Vorstellungen von Sexualität, Eigentum, Moral und Religion infrage zu stellen, ohne selbst eine feste Antwort vorzugeben. Empfehlung: Wer provokante Science-Fiction mit sozialem Sprengstoff sucht und offen für libertäre Gedanken sowie alternative Lebensentwürfe ist, findet hier reichlich Stoff. 1962 mit dem Hugo Award ausgezeichnet, war der Roman die erste Science-Fiction-Veröffentlichung auf der Bestsellerliste der New York Times; nach Gerüchten über eine Verbindung zu Charles Manson wurde er aus Schulbibliotheken entfernt. Die deutsche Ausgabe von 2009 bei Heyne trägt ein Vorwort von John Scalzi.
- Erschienen
- 1961
- Seiten
- 380
- Verlag
- Heyne
- Sprache
- de