Jack Faust

Wittenberg im 16. Jahrhundert. Der Gelehrte Johannes Faust verzweifelt an der Unzulänglichkeit des überlieferten Wissens: Ptolemäus, Aristoteles und selbst die Bibel erscheinen ihm fehlerhaft. Nachdem er mit dem Gedanken an den eigenen Tod gerungen hat, verbrennt er seine Bibliothek. Daraufhin tritt Mephistopheles vor ihn und bietet ihm im Tausch gegen seine Seele das vollständige Verständnis von allem an. Faust nimmt den Pakt an. Das Wissen, das er erhält, reicht weit über sein Jahrhundert hinaus, und mit ihm stellt sich die Frage, ob und wie es überhaupt genutzt werden darf. Die erste Gabe des Pakts ist die Fähigkeit, Frauen unbekleidet zu sehen; so bemerkt Faust die junge Margarete Reinhardt, in die er sich verliebt und deren Vater er mit Erfindungen und Geschäftsideen umwirbt. Swanwick nutzt die Faust-Legende, um aus einer persönlichen Tragödie eine gesellschaftliche zu machen. Sein Ausgangspunkt ist die Frage, was geschehen wäre, wenn ein Gelehrter des 16. Jahrhunderts über das Wissen des 20. verfügt hätte. Fortschritt und Zerstörung erscheinen dabei nicht als Gegensätze, sondern als zwei Seiten derselben Erkenntnis, sobald sie ohne Rücksicht auf ihre Folgen in die Welt gesetzt wird. Empfehlung: Nominiert 1997 für den BSFA Award und 1998 für den Hugo Award, ist der Roman schwer einzuordnen: Der britische Verlag vermarktete ihn als Horror, der amerikanische als Mainstream, und Swanwick selbst wusste beim Schreiben nicht, ob eine Teufelspakt-Geschichte Fantasy oder eine Geschichte über einen entfesselten Wissenschaftler Science-Fiction ergibt. Eine deutsche Übersetzung liegt nicht vor. Wer Neudeutungen klassischer Stoffe und Kritik an einem Fortschritt ohne Maß sucht, muss deshalb zum Original greifen.

Erschienen
1997
Seiten
337
ISBN
0380974444
Sprache
en

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