Weltengänger
Einleitung Was geschieht, wenn deine gesamte Existenz plötzlich ausgelöscht wird und niemand sich mehr an dich erinnern kann? Sergej Lukianenkos "Weltengänger"-Duologie entführt Leser in eine faszinierende Welt zwischen Parallelwelten, in der Menschen zu Wächtern zwischen verschiedenen Realitäten werden. Diese philosophisch angehauchte Science-Fiction-Serie verbindet meisterhaft existenzielle Fragestellungen mit innovativen Konzepten der Multiversum-Theorie und bietet dabei eine einzigartige Mischung aus russischer Sozialkritik und phantastischer Literatur. Hintergrundinformationen Autor: Sergej Lukianenko wurde am 11. April 1968 in Karatau (Kasachstan) geboren und ist der erfolgreichste russische Science-Fiction- und Fantasy-Autor der Gegenwart. Er studierte Medizin in Alma-Ata und praktizierte lange Zeit als Psychiater, bevor er sich vollständig der Schriftstellerei widmete. Seine psychologische Ausbildung fließt deutlich in seine Geschichten ein, wo er das menschliche Verhalten und das Dasein von verschiedenen Seiten betrachtet. Erscheinungsdaten und Umfang: Die Serie besteht aus zwei Bänden: "Weltengänger" (deutscher Titel, 2007; Originaltitel "Tschernowik" - Rohschrift, 2005) und "Weltenträumer" (2008; Originaltitel "Tschistowik" - Reinschrift, 2007). Genre-Einordnung: Die Serie gehört zum Subgenre der Science-Fiction, das sich mit Parallelwelten und alternativen Realitäten beschäftigt. Lukianenko hat wieder viel von der politischen Situation in Russland, speziell in Moskau zur jetztigen Zeit und auch zu früheren Zeiten hinein gepackt und zeigt die aktuellen Missstände auf. Die Werke lassen sich als philosophische Science-Fiction mit sozialkritischen Elementen klassifizieren. Handlung und Charaktere Die Geschichte folgt Kirill Maximov, einem Computerverkäufer aus Moskau, dessen Leben sich über Nacht dramatisch verändert: Als er eines Abends nach Hause kommt, lebt eine fremde Frau in seiner Wohnung, und niemand - weder Freunde noch Verwandte - kann sich an seine Existenz erinnern. In größter Verzweiflung wird Kirill durch einen anonymen Anruf auf ein atemberaubendes Geheimnis gestoßen: Manche Menschen fallen zuweilen aus ihrer Existenz heraus und werden zu 'Weltengängern', zur Schnittstelle zwischen zwei miteinander verbundenen Parallelwelten. Kirill wird ein "Funktional" - er soll als Zöllner zwischen Parallelwelten tätig sein und lebt fortan in einem Turm mit fünf Türen, von denen sich zunächst nur zwei öffnen lassen. Mit Kirill hat Lukianenko wieder einen seiner typischen Anti-Helden wie Anton aus den Wächter-Romanen entworfen. Die Charakterentwicklung zeigt Kirills Wandel von einem gewöhnlichen Menschen zu jemandem, der die komplexen Regeln und Geheimnisse der Parallelwelten verstehen muss. Der zweite Band "Weltenträumer" knüpft direkt an das Ende des ersten Teils an, wobei Kirill sich aus seinem Funktional-Dasein befreit hat und nun nach Erklärungen für das Unglaubliche sucht, was ihm widerfahren ist. Bedeutung und Rezeption Kritische Anerkennung: Sergej Lukianenko erhielt 2008 für seinen Roman "Spektrum" den prestigeträchtigen Kurd-Laßwitz-Preis als bester ausländischer Roman. Zu den erhaltenen Ehrungen zählen unter anderem der Corine Preis, der Kurd Laßwitz Preis und der Deutsche Phantastik Preis. Kulturelle Bedeutung: Die Verfilmung von "Wächter der Nacht" war der erfolgreichste russische Film aller Zeiten. Der Auftaktroman der Wächter-Reihe war in Russland sogar erfolgreicher als Der Herr der Ringe und Harry Potter. Medienverfilmung: "Weltengänger" wurde 2018 unter dem Originaltitel "Chernovik - The Draft" von Regisseur Sergeiy Mokritskiy verfilmt, mit Nikita Volkov in der Hauptrolle. Der Film startete am 3. Juni 2018 in deutschen Kinos. Stilistische Besonderheiten: Selten waren die Cliffhanger zum Kapitelende schöner als bei Lukianenko, und dort verbreitet der Autor meist seine Gedanken in humorvoller Weise über dieses und jenes. Lukianenkos Stil mit seinem zynischen Witz lässt Leser sogar laut auflachen, gerade durch Humor wird das Buch zu einem tollen Leseerlebnis. Empfehlung Die "Weltengänger"-Serie eignet sich besonders für Leser, die philosophisch anspruchsvolle Science-Fiction schätzen, die über reine Abenteuergeschichten hinausgeht. Nach seinem Erfolg mit der Wächter-Reihe, Spektrum und Das Schlangenschwert überrascht Lukianenko einmal mehr mit der Thematik und der Handlung. Die Serie spricht vor allem Fans von Parallelwelt-Konzepten, russischer Literatur und sozial-kritischer Science-Fiction an. Zielgruppen: - Leser von anspruchsvoller Science-Fiction mit philosophischen Elementen - Fans von Multiversum- und Parallelwelt-Geschichten - Interessierte an russischer phantastischer Literatur - Leser, die sozialkritische Elemente in der Science-Fiction schätzen - Erwachsene Leser, die komplexe Charakterentwicklungen bevorzugen Die Duologie bietet eine gelungene Balance aus innovativen Science-Fiction-Konzepten, tiefgreifender Charakterentwicklung und gesellschaftskritischer Reflexion, die sie zu einem wichtigen Werk der modernen phantastischen Literatur macht.
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