China Miéville

Bevor China Miéville über eine Stadt schrieb, in der eine Miliz Arbeiteraufstände niederschlägt, promovierte er über Völkerrecht. Seine Dissertation an der London School of Economics von 2001 hieß A Historical Materialist Analysis of International Law and the Legal Form; als Buch erschien sie unter dem Titel Between Equal Rights. Im selben Jahr trat er in einem Londoner Wahlkreis als Direktkandidat des Bündnisses Socialist Alliance zur Unterhauswahl an und bekam 1,2 Prozent der Stimmen. Geboren wurde er am 6. September 1972 in Norwich und wuchs in Willesden im Nordwesten Londons auf, bei seiner Mutter Claudia, einer Übersetzerin und Lehrerin, und seiner jüngeren Schwester; die Eltern hatten sich kurz nach seiner Geburt getrennt. Mit achtzehn ging er für ein Jahr nach Ägypten und arbeitete dort als Englischlehrer. Danach studierte er am Clare College in Cambridge Sozialanthropologie und schloss 1994 ab. Bekannt wurde er mit Bas-Lag, der Welt um die Stadt New Crobuzon, die er in Perdido Street Station, The Scar und Der Eiserne Rat ausbaute. Magie heißt dort Thaumaturgie und arbeitet mit messbaren Kräften; diese Neigung zur Systematisierung führt Miéville auf die Rollenspiele seiner Jugend zurück. Im Eisernen Rat entführt eine Gruppe aus Gewerkschaftern, Anarchisten, befreiten Sklaven und Huren den Zug einer transkontinentalen Eisenbahn und fährt damit in die Wildnis. Sein eigenes Werk nennt er Weird Fiction und stellt sich damit neben H. P. Lovecraft und Clark Ashton Smith. Für einen Linken, der Romane als Transportmittel benutzt, will er dabei nicht gehalten werden: Er schreibe seine Bücher nicht, um politisch zu punkten, sondern weil er Monster, bizarre Geschichten und Surrealismus liebe. Weil er die Welt aber politisch betrachte, seien die Welten, die er erfinde, immer in seine eigenen Befürchtungen eingebettet. Perdido Street Station gewann 2001 den Arthur C. Clarke Award und den British Fantasy Award, The Scar dieselben beiden und dazu den Locus Award, The City & The City 2010 Clarke, Locus und World Fantasy Award. Auf Deutsch erschien Perdido Street Station in zwei Bänden, Die Falter und Der Weber; beide brachten 2003 den Kurd-Laßwitz-Preis ein, die Übersetzerin Eva Bauche-Eppers den für die beste Übersetzung. 2015 wurde Miéville Fellow der Royal Society of Literature, 2018 Guggenheim Fellow. Er gibt die Zeitschrift Historical Materialism mit heraus, gründete 2015 die Vierteljahresschrift Salvage und veröffentlichte 2017 mit October eine erzählende Darstellung der russischen Oktoberrevolution.

Geboren
6. September 1972
Nationalität
Vereinigtes Königreich

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