Glasshouse

Im 27. Jahrhundert lebt die Menschheit in künstlichen Habitaten, die über Wurmloch-Tore verbunden sind, und Assembler-Tore können jeden Körper neu bauen und jedes Gedächtnis sichern oder beschneiden. Robin erwacht in einer Rehabilitationsklinik und weiß fast nichts mehr über sich: Er hat große Teile seiner Erinnerung freiwillig löschen lassen, vermutlich, weil er in den Zensurkriegen Dinge getan oder gesehen hat, die jemand nicht in Umlauf haben will. Als Anschläge auf ihn verübt werden, meldet er sich mit seiner neuen Bekannten Kay für ein abgeschottetes Sozialexperiment: Freiwillige sollen in einem nachgebauten Vorort das Leben im frühen 21. Jahrhundert nachspielen, jener "dunklen Zeit", aus der wegen verlorener Datenformate kaum Aufzeichnungen erhalten sind. Robin wacht im Experiment im Körper einer Frau auf, nun Reeve genannt, mit einem zugeteilten Ehemann namens Sam und einem Punktesystem, das Kirchgang, Ehe und Anpassung belohnt und Abweichung öffentlich bestraft. Ein Ausstieg ist nicht vorgesehen, und die Leiter des Experiments, Yourdon und Fiore, scheinen mehr zu wissen, als ein Forschungsprojekt braucht. Reeve beginnt zu vermuten, dass das Glashaus weniger der Geschichtsforschung dient als der Fortsetzung eines Krieges, der offiziell vorbei ist. Stross überträgt Zimbardos Stanford-Gefängnisexperiment in eine posthumane Welt und ersetzt Wärter und Gefangene durch Geschlechterrollen: Was macht eine Gesellschaft mit Menschen, die man beobachtet, benotet und zueinander in Konkurrenz setzt? Der Roman fragt, was von einer Identität bleibt, wenn Körper austauschbar und Erinnerungen editierbar sind, und er verhandelt Überwachung, Konformität und Geschichtsverlust als Satire auf die Spießigkeit der eigenen Gegenwart. Empfehlung: Das Buch eignet sich für Leser, die posthumane Science-Fiction mit Tempo und schwarzem Humor mögen und Gedankenexperimente über Identität und Gesellschaft nicht scheuen. Wer Greg Egan, Iain M. Banks oder Stross' eigene "Accelerando" kennt, ist hier richtig. Der Roman steht für sich, Vorwissen ist nicht nötig; die deutsche Ausgabe "Glashaus" erschien bei Heyne und erhielt 2009 den Kurd-Laßwitz-Preis.

Erschienen
2006
Seiten
335
ISBN
9780441014033
Sprache
en

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