Steel Beach

In ferner Zukunft haben unbekannte Invasoren die Menschheit von der Erde vertrieben; sie lebt seither in Kolonien im Sonnensystem, und der Mond Luna ist die am dichtesten besiedelte Welt. Dort verwaltet der Central Computer jeden Bereich des Lebens seiner Bürger: Er ist Regierung, Gericht, Auskunft und Freund jedes Einzelnen zugleich. Der Reporter Hildy Johnson schreibt für das Boulevardblatt News Nipple über Vorfälle wie einen Todesfall auf einer Brontosaurus-Ranch oder eine Explosion in einer Luftkammer. Hinter der scheinbar sorglosen Utopie steigt die Zahl der Suizide, ohne dass jemand den Grund kennt. Hildy selbst leidet immer wieder unter Suizidgedanken, für die er keine Erklärung findet. Die Unzufriedenheit zeigt sich auch anders: Viele Mondbewohner suchen den Reiz in zerstörerischen Vergnügen wie dem slash boxing, einer Mischung aus Messerkampf und Boxen, über die Hildy berichtet, oder in den Disneylands, originalgetreuen Nachbildungen der Erde. Varley verbindet das Bild einer sorgenfrei organisierten Gesellschaft mit der Frage, was von individueller Freiheit bleibt, wenn eine künstliche Intelligenz auch das Glück ihrer Bürger einrichtet. Dass in dieser Fürsorge gerade der Lebenswille abhanden kommt, gibt dem Roman seinen Ton: Er rechnet Komfort und Kontrolle nicht gegeneinander auf, sondern zeigt, wie schwer beides zu unterscheiden ist. Empfehlung: Der Roman war für den Hugo und den Locus Award als bester Roman nominiert und erschien 1994 als "Stahl-Paradies" bei Bastei-Lübbe. Er gehört zum Acht-Welten-Zyklus, setzt die anderen Bände laut Varley aber nicht voraus. Wer Science-Fiction im Geist der klassischen Moderne mit Gesellschaftskritik und Fragen der Geschlechtsidentität sucht, ist hier richtig.

Erschienen
1992
Seiten
479
ISBN
0399137599
Sprache
en

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